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ARV-Bundesdelegiertenversammlung im Landkreis Neustadt

 

32 Jahre Engagement für Menschen

Besuch des kontinentalen Tiefbohrprojekts (KTB) im Rahmenprogramm

 

Weiden/Neustadt/Püchersreuth. Der Bundesverband der Allgemeinen Rettungsverbände Deutschlands e. V. (ARV) veranstaltete heuer zum wiederholten Male seine Bundesdelegiertentage in der Oberpfalz. Auf Einladung des Kreisverbandes Weiden-Neustadt des ARV Oberpfalz e. V. fand die Veranstaltung im vor knapp einem Jahr neu eröffneten Hotel Igel in der Gemeinde Püchersreuth des Landkreises Neustadt an der Waldnaab statt. Zwei Tage lang berichteten und diskutierten Delegierte und Präsidiumsmitglieder über Aktivitäten und Probleme der dem ARV-Bundesverband angeschlossenen Organisationen. Ein interessantes Rahmenprogramm sorgte für Abwechslung und Entspannung.

Nach einer Sitzung des Geschäftsführenden Präsidiums am Samstagvormittag eröffnete Bundesverbandsvizepräsident Werner H. Hayn in seiner Eigenschaft als Vorstandsvorsitzender des gastgebenden Verbandes ARV Oberpfalz e. V. nach dem gemeinsamen Mittagessen die ARV-Bundesdelegiertentage 2005 und begrüßte die Abgesandten aus mehreren Bundesländern sowie Delegierte und Gäste aus den Kreisverbänden der Oberpfalz.

Nach einführenden Worten und einem Überblick über das Tagungsprogramm übergab Hayn die Versammlungsleitung an den neuen ARV-Generalsekretär Rainer Schmid vom ARV Rhein-Neckar, der das Amt zum 1. September von Horst Eisenmann übernommen hatte. Hayn dankte beiden Präsidiumskollegen einerseits für das jahrelange engagierte ehrenamtliche Wirken in geschäftsführender Funktion, andererseits für die aus gesundheitlichen Gründen erforderlich gewordene rasche und reibungslose Übernahme des wichtigen Amtes des Generalsekretärs.

Dieser stellte zunächst Anwesenheit und Beschlussfähigkeit fest und bat dann die Verbände um ihre Tätigkeitsberichte. Dabei wurde deutlich, dass regional ganz unterschiedliche Schwerpunkte bei der sozialen Aufgabenstellung im ARV gesetzt werden. Hier einige Beispiele:

Die größte Vielfalt an Diensten gibt es wohl in den oberpfälzischen Kreisverbänden Regensburg, Schwandorf, Weiden-Neustadt und Tirschenreuth: Hier reicht das Spektrum von der Häuslichen Alten- und Krankenpflege und den Fahrdiensten für Kranke und Behinderte über Mobile Soziale Hilfsdienste, Hausnotruf, Essen auf Rädern, Rechtliche Betreuungen, Sozialpädagogische Familienhilfe, Schuldnerberatung und Offene Behindertenarbeit (wie dem Projekt „Kino von und für Behinderte“) bis hin zu Arzneimitteltransport und Medikamenten-Notdienst, ja sogar Nikolausdienst (wenn auch nur einmal im Jahr).

Im Geschäftsjahr 2004 erzielte der ARV Oberpfalz laut Hayn in diesen Diensten mit zahlreichen Ehrenamtlichen, einigen Zivildienstleistenden sowie 72 Bediensteten in Voll- oder Teilzeit unter Einsatz von 28 Einsatzfahrzeugen einen Gesamtumsatz von rund € 1,5 Mio., was einerseits einen, durch interne Sanierungsmaßnahmen verursachten, deutlichen Rückgang gegenüber früheren Jahren bedeute, doch andererseits aus den roten Zahlen geführt habe, wie Hayn betonte. Heute könne man wieder zuversichtlicher in die Zukunft schauen als noch vor wenigen Jahren.

Beim ARV Rhein-Neckar liegt der Arbeitsschwerpunkt ebenso wie beim ARV Unterfranken in der Rechtlichen Betreuungsarbeit, die laut Vorstandsmitglied Günther Walch in Leimen seit nunmehr 10 Jahren erfolgreich laufe, wenn man davon absehe, dass neben den Betreuervergütungen Zuschüsse und Erlöse aus Altkleider-Sammelcontainern erforderlich seien, um eine solide finanzielle Basis zu gewährleisten. Noch schwieriger sei die Situation beim ARV Unterfranken, berichtete der Vorsitzende Horst Eisenmann, da man fast ganz ohne zusätzliche Einnahmen auskommen müsse.

Ganz auf pflegerische Aufgaben hat sich laut seinem Vorstandschef Georg Frischeisen der ARV Schwaben in Augsburg verlegt, wo der Verband sowohl eine Tagespflegestation als auch eine ambulante Hauskrankenpflege betreibe.

Anders der ARV in Salzgitter: Die Niedersachsen konzentrieren sich ebenso wie ihr Nachbarverband in Göttingen mehr auf Sanitätsdienste, Jugend- und Ausbildungsarbeit in Zusammenarbeit mit Schulen. Laut Vorstandsmitglied F. Lehmler bietet der Verband zudem Kurse in lebensrettenden Sofortmaßnahmen (für Führerscheinbewerber), Kurse in Erster Hilfe (für LKW-Fahrer, Jugendgruppenleiter usw.) sowie Kurse für Betriebsersthelfer (Aus- und Fortbildungen) an, die regen Zuspruch fänden. Da man keine Hauptamtlichen beschäftige, seien die hier erzielten Gebühreneinnahmen ausreichend, um den Verein über Wasser zu halten.

Nach den Berichten der anwesenden Verbandsvertreter folgten der Finanzbericht des bisherigen Generalsekretärs Horst Eisenmann sowie der Revisionsbericht für das Geschäftsjahr 2004, der von Revisor Helmut Sturm (ARV Oberpfalz) vorgetragen wird. Die Prüfung der Finanzunterlagen hatte er zusammen mit Revisor Waldemar Schmidt (ARV Unterfranken) durchgeführt. Es wird die ordnungsgemäße Buchführung und Vollständigkeit der Unterlagen bestätigt und eine Empfehlung zur Entlastung erteilt, die anschließend einstimmig erfolgt.

Dem vorliegenden Antrag auf Änderung der Satzung bezüglich der Anzahl der Mitglieder des Geschäftsführenden Präsidiums wird nach kurzer Diskussion statt gegeben. Künftig soll es danach zwischen drei und fünf Vizepräsidenten geben, die aus ihrer Mitte den Präsidenten wählen. Zur Zeit gehören dem Geschäftsführenden Präsidium an: Ernst Bollier (Rhein-Neckar), Horst Eisenmann (Unterfranken), Werner H. Hayn (Oberpfalz) und Rainer Schmid (Rhein-Neckar). Ein fünftes Mitglied wird gesucht. Erst dann will man den Nachfolger für den ausgeschiedenen Präsidenten Andreas Hübner aus Wiesbaden wählen.

Keinen Stillstand hinnehmen, das Vereinsleben aktivieren, junge Leute als Amtsnachfolger suchen, reformieren der Strukturen, neue Aktivitäten aufnehmen, neue Dienste anpacken, kreative Ideen verwirklichen, den Nachwuchs fördern, das Ehrenamt pflegen, Mut zur Problembewältigung machen, sind einige der Ziele, die Vizepräsident W. H. Hayn den Teilnehmern im Rahmen der allgemeinen Diskussion mit auf den Weg gibt, bevor der Generalsekretär die Versammlung schließt.

Nicht nur das Wetter hatten die Organisatoren (Burkhard Hagemann, Werner H. Hayn und Thilo Schmidt vom Vorstand des ARV Oberpfalz) im Griff, sie hatten auch für ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm gesorgt. Vor dem Gebäude fand während des ganzen Tages eine kleine Fahrzeugschau mit neuen Einsatzfahrzeugmodellen des ARV Oberpfalz statt. Während der etwas längeren Kaffeepause war man mit der „Nostalgiebahn“ des Hotels zur Besichtigung des interessanten, von Kunstwerken umgebenen Vierseithofes Witt ins Vorzeigedorf Rotzendorf gefahren. Kaffee und Kuchen gab es im Zug.

Die Abendveranstaltung, zu der weitere Mitglieder und Bedienstete der Kreisverbände Weiden-Neustadt und Tirschenreuth kamen, bot nicht nur viel Gelegenheit zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch, sondern auch ein reichhaltiges, schmackhaftes Kirchweihbüffet und Gelegenheit zum Tanz.

Als kleines Highlight führte ARV-Projektleiter Peter Meyer den Video-Zusammenschnitt von Aktivitäten und Events des seit 1996 bestehenden Projekts „Kino für Behinderte“ unter dem Titel „Impressionen“ vor. Darunter auch ein beeindruckender Sketsch mit dem Sänger Phil Collins, der als ARV-Helfer einen behinderten jungen Mann in den Schlaf singt. Zielsetzung des Projekts im Rahmen der Offenen Behindertenarbeit war und ist, körperbehinderte Menschen durch eigene Kreativität aus ihrer Isolation zu führen und ihnen attraktive Freizeit- und Therapiemöglichkeiten zu bieten.

Nach der Gesamtpräsidiumssitzung am Sonntag, an der alle Verbandsvorsitzenden beteiligt waren, gab es noch eine hochinteressante Führung durch die KTB-Anlage bei Windischeschenbach mit Bohrturm und Geo-Zentrum. Der 83 Meter hohe Bohrturm der größten Landbohranlage der Welt war auch EXPO-2000-Projekt. Derzeit ist das Bohrloch das "tiefste (zugängliche) Loch" der Welt.

Mit einem gemeinsamen Mittagessen in Windischeschenbach endeten für die Teilnehmer anregende und informative ARV-Bundesdelegiertentage 2005 in der nördlichen Oberpfalz.

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